Graf Götzen (Liemba)

 

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Die Graf Götzen ist als Passagier und Frachtschiff im Einsatz. Die Graf Götzen fährt auf dem Tanganjika See und ist für viele Menschen rund um den See die einzige Verbindung zur Ausenwelt. Dieses Schiff wurde auf den Namen Liemba getauft.

 

Historisches

Die Graf Götzen wurde im Jahre 1913 auf Befehl von Kaiser Wilhelm II. im Auftrag der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft auf der Meyer Werft in Papenburg gebaut und auf den Namen Graf Götzen getauft. Sie sollte dazu dienen auf dem Tanganjika See (ehemalige Deutsche Kolonie Deutsch Ostafrika). Mit diesem Schiff sollte die Präsenz der Kolonialherren zu erhöhen und Belgien von einer möglichen Kolonialexpansion abzuhalten.

 

Die Graf Götzen wurde von Hermann Rüter, entworfen welcher die rechte Hand Meyers war.

Ursprünglich verfügte das Schiff über sechs Kabinen für Passagiere erster Klasse und über zehn Kabinen zweiter Klasse sowie je einen Ess- und Rauchsalon erster und zweiter Klasse. Die Maschinenausstattung bestand zunächst aus zwei Rundkesseln zur Dampferzeugung für die Dreifach-Expansionsmaschine mit einer Leistung von 500 iPS, einer Kohlensäure-Eis- und -Kühlmaschine in einem isolierten Kühlraum mit einer Kapazität von drei Kilogramm Eis pro Stunde, einer Beleuchtungs- und einer Belüftungsanlage. Das Schiff war für eine Besatzung von 60 Mann ausgelegt.

Das Schiff, zusammengehalten von 160.000 Nieten, konnte in seine Einzelteile zerlegt werden und wurde auf diese Weise nach zehnmonatiger Bauzeit in 5.000 Holzkisten mit einem Gesamtgewicht von 1.200 t verpackt. Auf diese Weise gelangte die Graf Goetzen mit dem Zug nac Hamburg und von dort mit einem Dampfer nach Daressalam, der Hauptstadt der Kolonie. Hier wurden die Kisten auf die kurz zuvor eröffnete Mittellandbahn verfrachtet und nach Kigoma am Tanganjikasee transportiert.

Hier bauten ca.250 einheimische Arbeiter und 20 Inder unter der Leitung von Rüter, einem Gesellen und einem Nieter der Meyer-Werft das Schiff wieder zusammen.

Am 5. Februar 1915 erfolgte schließlich der Stapellauf.

 

Der erste Weltkrieg

Das Schiff wurde während des Ersten Weltkrieges in Dienst gestellt und am 9. Juni 1915 mit einem 10,5 cm- sowie zwei 37 mm-Geschützen von der nicht mehr operationsfähigen und später in der Rufiji-Mündung selbst versenkten SMS Königsberg ausgerüstet. Rüter wurde Kapitän des Schiffes.

 

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Quelle: http://www.navweaps.com

 

Die Graf Goetzen wurde mit 1.000 Soldaten in Kasanga, dem damaligen Bismarckburg an der Südspitze des Sees stationiert. Die Graf Goetzen beherrschte den See, denn die Briten hatten nur die beiden 13 m langen Kanonenboote Geoffrey Basil Spicer Simson Mimi und Toutou mit je einer kleineren Kanone auf dem See. In der Folgezeit diente sie General Paul von Lettow-Vorbeck zu Truppenverlegungen und als Versorger. Am 10. Juni 1916 wurde das Schiff von vier belgischen Wasserflugzeugen bombardiert und einige Tage später ein weiteres Mal, als es für die anstehenden Reparaturarbeiten im Hafen von Kigoma lag. Als die deutschen Truppen auf ihrem Rückzug Kigoma aufgeben mussten, befahl von Lettow-Vorbeck, die Graf Goetzen zu versenken. Rüter ließ das Schiff vor dem Öffnen der Seeventile dick mit Fett einschmieren und nah dem Ufer fluten.

 

Nachkriegszeit

Das Schiff wurde noch 1916 von den Belgiern gehoben. 1920 sank es während eines Sturmes im Hafen erneut. Anschließend ging das Land an die Briten als neue Kolonialherren über, die lange brauchten, um das Schiff wiederum zu heben. Erst sieben Jahre nach dem Untergang konnte es wieder fahren. Am 16. Mai 1927 wurde der alte Name Graf Goetzen in Liemba geändert.

 

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg hat das Schiff ein weiteres Mal Tausende Soldaten über den See befördert.

 

Heutige Situation

Seit der Unabhängigkeit Tanganjikas Tansania 1961 fährt das Schiff unter einheimischer Führung und Besatzung.

Die Liemba ist heute das einzige große Passagierschiff, welches regelmäßig auf dem See verkehrt.

Sie fährt wöchentlich eine rund 700 Kilometer lange Route zwischen Mpulungu in Sambia und Kigoma inTansania an der Ostseite des Sees entlang. Dazwischen legt sie fünfzehn Mal an, unter anderem in Kasanga Msamba Karema Kibwesa Kirando. Zum Teil sind es nur kleine Dörfer, die keinen Hafen besitzen. Das Be- und Entladen erfolgt über kleine Barkassen.

Bis Anfang der 1990er Jahre steuerte sie auch weitere Ziele am Tanganjikasee an Bujumbura in Burundi und Uvira Kalemie und Moba in der Demokratischen Republik Kongo. Doch als 1994 in Burundi und einige Jahre später in der Demokratischen Republik Kongo der Bürgerkrieg ausbrach, wurde es dort zu gefährlich.

In jüngerer Vergangenheit setzte die Liemba allerdings Flüchtlinge des Ruanda-Krieges wieder ans heimische, westliche Ufer.